Benzin zu subventionieren ist ein teurer Irrweg
Mit dem Spruch „Brot und Spiele“ kritisierte der römische Dichter Juvenal die antiken Herrscher, die mit billigem Brot und Zirkusspielen (Gladiatorenkämpfe und Wagenrennen) ihre Wahl sichern wollten. Zwei Jahrtausende später hat sich nicht so viel geändert. Das billige Brot von heute ist billiges Benzin. Der amerikanische Präsident Trump will jetzt komplett auf die staatliche Benzinsteuer verzichten. Als Spiele inszenierte er brutale Martial Arts-Käfigkämpfe vor dem Weißen Haus. Hierzulande versucht die Bundesregierung mit milliardenschweren Tankrabatten den Benzinpreis zu senken. Auch bei den Wagenrennen orientiert sich die Regierung am alten Rom und lässt die Autos ohne Limit auf den Autobahnen rasen.
Die Benzinpreise haben so eine große Bedeutung, weil sie die einzigen Energiekosten sind, die man direkt erfassen kann - wenn beim Tanken an der Zapfsäule die Kosten hoch rattern. Die Fixierung auf die Benzinpreise ist dabei mehrfach kurios. Erstens sind die Kosten durch den jährlichen Wertverlust der Autos, Reparaturen, Steuern und Versicherungen viel höher als die Benzinkosten, die nur etwa 20 Prozent der Gesamtkosten betragen. Zweitens müssen Autofahrer heute für den Kauf von einem Liter Benzin nicht länger arbeiten als im Mittel der letzten 35 Jahre (rund fünf Minuten). Drittens verbrauchen Autos vergleichbarer Größenordnung auch noch weniger Benzin pro 100 km als vor Jahrzehnten.
Elektroautos fahren dagegen viel günstiger - bei 100 Kilometer und Laden unterwegs mit etwa zehn Euro, mit Haushaltsstrom sechs Euro, bei eigener Photovoltaikanlage unter zwei Euro. Kein Wunder, dass bei den hohen Benzinpreisen der Absatz von Elektroautos hochschnellt – im September lag der Marktanteil bei 34 Prozent. Nach dem gerade beschlossenen Regelwerk „Marktintegration von Stromspeichern und Ladepunkten“ können E-Auto-Besitzer mit bidirektionalem Laden auch noch Geld verdienen.
Wer sich dagegen noch einen Verbrenner kauft, wird sich über weiter steigende Spritpreise ärgern und das gebrauchte Auto später nur noch schlecht verkaufen können.
Mit ihrer Initiative zum Verbrenner-Aus und den Tank-Rabatten fährt auch die Bundesregierung in die Sackgasse. Die Spritpreisbremse kostet den Staat sechs bis acht Milliarden Euro im Jahr - fast dreimal so viel wie das Deutschlandticket.
Erschienen in der Frankfurter Rundschau vom 09.10.2026
