Doppelte Dividende - Dreifacher Klimaschutz

Dreifacher Klimaschutz ist ein Projekt der Elektrizitätswerke Schönau (EWS), das aus dem EWS Förderprogramm Sonnencent und von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert wurde. In dem Modellprojekt wurde getestet, wie die Einsparung von Stromkosten in privaten Haushalten mit einer Finanzierung von Photovoltaik kombiniert werden kann.

Im Modellprojekt erhielten EWS-Kunden/Kundinnen mit überdurchschnittlichem Stromverbrauch (im Schnitt rund 5.300 kWh) eine intensive und für die Kunden/Kundinnen kostenfreie Stromsparberatung vor Ort, verbunden mit Direktinstallationen stromsparender Kleingeräte. Die beteiligten Haushalte wurden dabei gebeten, die Stromkosteneinsparung der ersten drei Jahre für die Errichtung einer Photovoltaik-Anlage zu spenden. Die Erträge aus dieser PV-Anlage sollten wiederum für weitere Klimaschutzprojekten eingesetzt werden. Damit wird ein dreifacher Klimaschutz erzielt:

1.           Die Haushalte verbrauchen weniger Strom.

2.           Die PV-Anlage produziert CO₂-freien Solarstrom.

3.           Die Erträge aus dem Verkauf des Sonnenstroms fließen in Klimaschutzprojekte.

Die zu Projektbeginn abgeschätzten durchschnittlichen Einsparungen von 570 kWh pro Jahr und Haushalt wurden überraschenderweise mit durchschnittlich 1.524 kWh weit übertroffen. Nach Abzug von Sondereffekten (z.B. Bau einer eigenen PV-Anlage und dadurch geringerer Strombezug bei der EWS) lag die durchschnittliche Stromeinsparung mit 1.282 kWh immer noch deutlich über den zu Projektbeginn erwarteten Einsparungen.

An dem Projekt nahmen 31 Stromkund:innen der EWS teil. Die geplante Anzahl von 70 - 100 teilnehmenden Kunden/Kundinnen konnte nicht erreicht werden. Der wesentliche Grund dafür dürfte in der zweijährigen Corona-Krise liegen, die mit Kontaktbeschränkungen verbunden war und zu mehrfachen Verschiebungen der Stromsparberatung führte.

Aufgrund der kleineren Zahl der Teilnehmer:innen sind die Ergebnisse nicht repräsentativ. Allerdings haben fast alle beratenen Haushalte (29 von 31 Haushalten) hohe Einsparpotentiale realisieren können. Dies dürfte für Haushalte mit ähnlicher Struktur (Wohnung im Ein- oder Zweifamilienhaus, sehr hoher Stromverbrauch (schlechte Stromeffizienzklasse E, F oder G nach Stromspiegel 2023) vergleichbar möglich sein.

Die etwa zweistündigen Stromsparberatungen wurden von der Energieagentur Regio Freiburg durchgeführt und erfolgten direkt in den Haushalten. Bei Eignung wurden direkt stromsparende Kleingeräte installiert (LED, Steckerleisten, Zeitschaltuhren, Warmwassersparer) und es wurde den Haushalten Hinweise für stromsparende Nutzung von Geräten und andere Maßnahmen gegeben. Die Zählerstände wurden bei der Beratung und ein Jahr später erfasst. Darüber hinaus beantworteten die Haushalte einen kurzen Fragebogen.

Bei 29 Haushalten war der Stromverbrauch gesunken. Bei zwei Haushalten war der Stromverbrauch aus leicht nachvollziehbaren Gründen gestiegen (Neukauf eines Elektroautos, Kauf von E-Bikes, höhere Personenzahl im Haushalt, neues Aquarium, zusätzlicher Gefrierschrank). Diese zwei Haushalte wurden daher nicht in die weitere Auswertung einbezogen. Drei Haushalte hatten ihren Strombezug ungewöhnlich stark reduziert (Größenordnung 4.000 kWh). Auch dies konnte leicht erklärt werden: Installation einer eigenen PV-Anlage und teilweise Eigennutzung des produzierten Stroms, Beendigung stromintensiver Bauarbeiten, Reduktion der Personenzahl sowie längere Abwesenheit. Vor der Berechnung der durchschnittlichen Stromeinsparung wurden diese Sondereffekte abgezogen – sonst hätte die durchschnittliche Stromeinsparung sogar 1.834 kWh betragen.

Die 29 letztlich einbezogenen Haushalte sparten im ersten Jahr im Schnitt 1.524 kWh Strom bzw. nach Abzug von Sondereffekten noch 1.282 kWh und damit 460 Euro Stromkosten (berechnet über den aktuellen Arbeitspreis von 35,9 Cents pro kWh). Hochgerechnet auf drei Jahre würde die Stromkosteneinsparung bei den 29 Haushalten zusammen bei rund 40.000 Euro liegen und damit potentiell ausreichend für die Finanzierung einer etwa 30 kW großen PV-Anlage. Allerdings wurden im ersten Jahr dafür nur rund 7.000 Euro gespendet. Möglicherweise kommen nach Fertigstellung des vorliegenden Berichts bzw. in den Folgejahren weitere Spenden hinzu. Bedingt durch die mehrfachen Verschiebungen in der Corona-Krise gab es ein weiteres Problem im Projekt: Planung, Bau und Inbetriebnahme der PV-Anlage mussten zeitlich vor den Stromsparberatungen erfolgen. Für die Vorfinanzierung wurden ein weiterer Projektpartner gewonnen - die Stiftung Zukunftserbe.

Die PV-Anlage wurde auf dem Schulgebäude in Horben (Nähe Freiburg) installiert und der Gemeinde langfristig zur Verfügung gestellt. Die Kapazität der PV-Anlage liegt bei 36,4 kWp, die durchschnittliche Produktion sollte bei rund 33.300 kWh pro Jahr liegen. Ein relevanter Teil des produzierten Stroms kann davon als „Eigenverbrauch“ im laufenden Schulbetrieb eingesetzt werden. Die Stiftung Zukunftserbe hat verpflichtend zugesagt, 80 % der jährlichen Nettoerlöse aus der PV-Anlage für weitere Klimaschutzprojekte einzusetzen, denkbar sind beispielsweise Zuschüsse für besonders stromsparende Haushaltsgeräte oder PV-Balkonmodule. 

Das Projekt erzeugt einen dreifachen Klimaschutzeffekt: Durch die Reduktion des Stromverbrauchs werden über die Wirkungsdauer der Maßnahmen 113 Tonnen CO₂ vermieden, durch die Produktion von Solarstrom 231 Tonnen CO₂, und durch die künftigen Klimaschutzprojekte 498 Tonnen CO₂.

Zusammen sind dies über die Wirkungsdauer der Maßnahmen 842 t CO₂ und 27 Tonnen CO₂ pro Haushalt.

Auf Basis dieser Daten wurden auch die CO₂-Vermeidungskosten für die Kunden/Kundinnen, die EWS und die Gesellschaft berechnet, wobei davon ausgegangen wurde, dass die bewirkten Stromeinsparungen insgesamt sieben Jahre bestehen bleiben.

Hierbei haben wir drei Fälle betrachtet: (1) Die Haushalte behalten ihre gesamten Stromkosteneinsparungen, (2) die Haushalte beteiligen sich mit 250 Euro an den Kosten der Stromsparberatung und (3) die in diesem Projekt vorgesehene Struktur, bei der die Haushalte die Stromkosteneinsparungen der ersten drei Jahre für eine PV-Anlage spenden und die Rückflüsse wieder in Klimaschutzprojekte reinvestiert werden.

Für die Haushalte war die Stromsparberatung kostenlos. Deswegen haben sie negative Vermeidungskosten: minus 885 Euro/t CO₂. Wenn sich die Haushalte mit 250 Euro an den Kosten der Stromsparberatung beteiligen, sinken die CO₂-Vermeidungskosten auf minus 815 Euro/ t CO₂. Wenn die Haushalte die gesamten Stromkosteneinsparungen der ersten drei Jahre spenden, sinken die negativen Vermeidungskosten auf minus 68 Euro / t CO₂.

Die Stromsparberatung ist durch das Förderprogramm Sonnencent der EWS finanziert worden, das den Auftrag hat, Projekte im Sinne von Energiewende und Klimaschutz zu ermöglichen. Ziel des Engagements war es, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, inwiefern Vor-Ort-Beratungen zu realen Stromeinsparungen führen können. Die daraus resultierenden direkten Kosten in Höhe von 500 Euro pro Kunde/Kundin wurden von der EWS komplett getragen, ebenso die indirekten rechnerischen Ertragsausfälle durch die erzielten hohen Stromeinsparungen.

Die gesamten CO₂-Vermeidungskosten belaufen sich für die EWS auf 236 Euro/t CO₂. Würden die Haushalte an den Kosten der Stromsparberatung beteiligt, blieben noch Vermeidungskosten von 167 Euro/ t CO₂, die bezuschusst werden müssten. Wenn man der EWS die CO₂-Einsparungen zuschreiben würde, die in Fall 3 durch die freiwilligen Spenden der Kunden/Kundinnen ausgelöst werden (für die PV-Anlage und die Folgeprojekte), wären die Vermeidungskosten mit 32 Euro/t CO₂ noch geringer.

Bei einer denkbaren Fördermaßnahme durch die öffentliche Hand gäbe es einerseits Kosten in Höhe von 500 Euro für die Stromsparberatung und die Direktinstallationen und andererseits Entlastungen durch die vermiedenen Kosten der Stromerzeugung und -verteilung. Damit ergeben sich auch aus volkswirtschaftlicher Sicht negative Vermeidungskosten in Höhe von -262 Euro pro Tonne CO₂.

 Unter Einbeziehung der vermiedenen Umwelt- und Klimaschäden, die nach der Methodenkonvention des Umweltbundesamts mit 237 Euro pro Tonne CO₂ angenommen werden, ergibt sich in allen drei Fällen ein gesellschaftlicher Vorteil im Bereich von 1.817 bis 7.390 Euro pro Stromsparberatung.

Die Stromeinsparung ist also aus Sicht der Haushalte hoch vorteilhaft. Sie wäre das auch, wenn die Haushalte die Stromsparberatung selbst finanzieren würden.

Die negativen Vermeidungskosten sprechen aus gesellschaftlicher und klimapolitischer Sicht dafür, dass Bund, Länder oder Kommunen entsprechende Förderprogramme auflegen sollten. Je größer die Programme und die Beteiligung, desto geringer dürften die Vermeidungskosten pro Tonne CO₂ ausfallen, weil Verfahren standardisiert, Prozesse vereinheitlicht und somit externe Kosten reduziert werden können.