Verzweifelter Rettungsversuch für den Verbrenner

Der Siegeszug der Elektro-Autos ist nicht mehr aufzuhalten. Der Niedergang der deutschen Automobilindustrie vielleicht gerade noch. Die Zeichen stehen schlecht: Sinkende Verkaufszahlen, Gewinneinbrüche, Massenentlassungen. Die Bundesregierung fordert zur Rettung eine Verschiebung des für 2035 geplanten „Verbrenner-Aus“. Aber das wäre genau der Todesstoß für die Automobilindustrie. Denn die Elektro-Autos haben ihre Anfangsprobleme überwunden und sind für Autofahrer hochattraktiv geworden. Große Reichweiten, vergleichbare Kaufpreise wie die Verbrenner und deutlich billiger beim Fahren. 

Auch in der Ökobilanz schneiden die Elektroautos viel besser als die Verbrenner ab. Nach einer Studie des „International Council on Clean Transportation“ haben in der EU neu verkaufte Mittelklasse-Elektroautos 73 Prozent weniger CO2-Emissionen als die Verbrenner. Und sie schneiden von Jahr zu Jahr besser ab – weil der Strom immer grüner wird, die Akkus immer grüner werden und mindestens 150.000 Kilometer halten.

Alle Argumente für ein Verbrenner-Aus sind verpufft. Aber der Präsident der TU München, Thomas Hofmann, hat einen letzten verzweifelten Rettungsversuch gestartet. Er ließ von fachfremden (!) Professoren der TU vorliegende und damit zwangsläufig ältere Studien zum Vergleich von Elektroautos mit Verbrennern zusammenfassen - in einem „White Paper“ (also ohne Peer Review). Dann übernahm er höchstpersönlich die Kommunikation, verdrehte bewusst die Ergebnisse des Papiers und warf der EU eine „substanzielle Fehlsteuerung in der Regulatorik“ der Klimapolitik vor. Die Bildzeitung übernahm die Vorlage und titelte „Die Autolüge der EU“. 

In der der Fachwelt stießen das Papier und die Kommunikation auf massivsten Widerspruch. International. National. Und selbst TU-intern – von Prof. Lienkamp, dem eigentlich zuständigen Leiter des Lehrstuhls für Fahrzeugtechnik an der TU. Präsident Hofmann hat mit seinem Vorgehen gleich mehrere rote Ampeln von Wissenschaftlichkeit und fairer Kommunikation überfahren und das hohe Renomee der TU München in den Straßenschmutz gezogen.

Die Bundesregierung kann dagegen noch umsteuern, die Elektromobilität viel stärker fördern, den Ausbau der Ladeinfrastruktur beschleunigen und das große Potential von Abermillionen Akkus als wesentlichen Stromspeicher nutzen lassen.

Erschienen in der Frankfurter Rundschau vom 11.09.2026

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