Für „Innovation Ein“ braucht es das „Verbrenner-Aus“
Statt konsequent auf Elektromobilität zu setzen, droht eine Verlängerung des Innovationsstaus in der deutschen Automobilindustrie. Die Kolumne „Öko-logisch“.
Die deutsche Automobilindustrie fährt offensichtlich in die Sackgasse. Die Elektromobilität hat sie mit offenen Augen verschlafen. Nun will die Regierung das 2021 beschlossene und erst für 2035 geltende „Verbrenner-Aus“ kippen und damit trotz vierzehn Jahren Übergangszeit (!) den Innovationsstau noch weiter verlängern. Stattdessen sollte die Regierung umgehend ernsthafte Begleitmaßnahmen zur Zielerreichung beschließen: kontinuierlich steigende Besteuerung von Verbrennerautos, kontinuierliche Förderung von kleineren bezahlbaren Elektroautos sowie ein Ausbau der Elektroladestationen. Und natürlich eine moderne Mobilität ansteuern, bei der das Auto eine wichtige, aber kleinere Rolle spielt.
Industriepolitik ist in Deutschland meist halbherzig und wechselhaft, wie ein Rückblick auf die letzten 20 Jahre zeigt – davon 16 Jahre unter CDU/CSU geführten Regierungen. Die weltweite Technologieführerschaft bei Photovoltaik und Windenergie ging durch wiederholte Bremsmanöver bei der Förderung verloren. Der Aufschwung bei Wärmepumpen wurde durch massive Falschbehauptungen mit dem „Heizungshammer“ zertrümmert, dem Verkauf des erfolgreichen Wärmepumpen-Marktführers Viessmann an einen amerikanischen Konzern zugestimmt. Auch die Versorgung mit grünem Wasserstoff „liegt in weiter Ferne“, wie der Bundesrechnungshof feststellte.
Parallel dazu wurde die zentrale staatliche Aufgabe der Infrastrukturförderung vernachlässigt. Der Ausbau der Stromnetze wurde mehrfach verzögert, wesentlich durch den „Widerstand“ des Ministerpräsidenten Söder. Die Einbauquote von „intelligenten“ Smartmetern, mit denen die Stromnachfrage effizient gesenkt werden kann, liegt dummerweise bei nur etwa fünf Prozent. Andere europäische Länder haben den Smart-Meter-Rollout dagegen schon vor Jahren abgeschlossen. Die überfällige Sanierung der Bahnstrecken wurde der geplanten Privatisierung der Bahn geopfert. Stattdessen wurde das schon dichte Straßennetz ausgebaut, um dann überrascht festzustellen, dass 40 000 Straßenbrücken marode sind und kein Geld für die Sanierung da ist.
Es reicht jetzt. Die Regierung muss für ein gut geplantes „Innovation-Ein“ sorgen, statt das „Verbrenner-Aus“ zu canceln.
Erschienen in der Frankfurter Rundschau vom 7.11.2025
