Namensverbot für Veggie-Burger: Alles Käse
Das EU-Parlament stimmt auf Initiative der Union über ein Gesetz zu Fleischersatzprodukten ab – zum Glück ist die Sache noch nicht gegessen.
CDU/CSU wollen, dass vegetarische Fleischersatzprodukte künftig nicht mehr Burger, Schnitzel oder Wurst heißen dürfen. Dazu haben sie im Europa-Parlament einen entsprechenden Beschluss initiiert. Offensichtlich halten sie die Verbraucher für so blöd, dass sie Veggie-Burger mit einem Fleisch-Burger verwechseln und ein „Vegetarisches Seitan-Schnitzel“ mit einem Schweine-Schnitzel. Und womöglich zum Essen versehentlich Holzhackschnitzel kaufen – klingt ja nach Hackfleisch.
Zum Glück ist die Sache noch nicht gegessen, denn der Beschluss des EU-Parlaments muss noch von den 27 EU-Ländern bestätigt werden. Und selbst die großen Unternehmen wie Lidl, Aldi Süd, Rügenwalder Mühle und Burger King (!) haben sich dagegen ausgesprochen. Ein Gesetz wäre sowieso kompliziert. Sind dann auch kreative Wortfindungen verboten wie etwa Veggie-Börger? Und wie ist das überhaupt mit Burgern? Die enthalten doch zu einem großen Teil pflanzliche Produkte wie etwa Tomatensauce, Salat, Gurken und Gewürze.
Man darf sich also schon auf langjährige gerichtliche Auseinandersetzungen einrichten. Aber das ist Bundeskanzler Merz offensichtlich wurscht. Obwohl er gerade den „Herbst der Reformen“ ausgerufen hat, mit Schwerpunkt auf Wirtschaft, Innovationen und Bürokratieabbau. Seine erste Initiative ist nun ausgerechnet dieser semantische Fleischwolf, der ein neues Bürokratiemonster erzeugen und die Hersteller innovativer Technologien wirtschaftlich massiv treffen würde.
Ironischerweise hat am selben Tag das Bundesverwaltungsgericht nach einer Klage der Deutschen Umwelthilfe festgestellt, dass die Bundesregierung gegen die (mit dem Futtermittel-Anbau und der Massenviehhaltung verbundene) „Nitratrichtlinie“ verstoßen hat und eine grundsätzliche Konzeption zur Reduktion des Düngemitteleinsatzes vorlegen muss.
Eine grundsätzliche Konzeption würde man auch für den „Herbst der Reformen“ erwarten. Da muss die Regierung noch mal nachsitzen. Vielleicht zu Beginn mit einem stärkenden Arbeitsessen. Damit die CDU/CSU nicht ganz vom Fleisch fällt, empfehle ich einen Veggie-Burger, Mozzarella auf Fleischtomaten, zum Nachtisch ein Potpourri aus Fruchtfleisch und dazu einen alkoholfreien Wein.
Erschienen in der Frankfurter Rundschau vom 12.10.2025
