Aktionstag fahrradfrei

Am Sonntag, 19.7.2026,  findet bei Freiburg der „Schauinsland-König“ statt - das Bergrennen für Fahrradfahrer. 11,5 Kilometer Strecke und 800 Höhenmeter hinauf zum Freiburger Hausberg – dem Schauinsland. An dem Wettbewerb nehmen nicht nur Spitzensportler teil, sondern auch mehrere Hundert Alltagsradler. Es wird in mehreren Kategorien gefahren: Rennräder, Mountain-Bikes, Trekkingbikes, Gravelbikes, Crossbikes, Liegeräder, Klappräder und Räder mit Kinderradanhänger (mit mindestens einem Kind dabei!). E-Bikes sind nicht zugelassen. Die Aufzählung macht deutlich, wie viele unterschiedliche Räder es gibt. Auf normalen Fahrradwegen fahren zusätzlich noch die E-Bikes und die Lastenräder - mit jeweils höheren Geschwindigkeiten. Und weil auch noch die Zahl der Fahrradfahrer stetig zunimmt, sind viele Radwege massiv überlastet.

Das Problem ließe sich mit drei Maßnahmen lösen. Schnell fahrende Räder zurück auf die Straße, innerorts Tempo 30 für alle Fahrzeuge und Erhöhung (!) der zugelassenen Höchstgeschwindigkeit für die Pedelecs auf 30 Stundenkilometer, so dass Überholvorgänge wegfallen. Die Maßnahmen hätten auch weitere Vorteile: weniger Unfälle, weniger Verkehrstote, weniger Verkehrslärm.

Aber noch dominiert in der Politik und im Bewusstsein vieler Autofahrer die Vorstellung einer Höherwertigkeit von Autos respektive Autoverkehr. ÖPNV und Fahrradverkehr oder gar Fußverkehr werden als minderwertig und nicht gleichberechtigte Verkehrsformen empfunden. In der geltenden Straßenverkehrsordnung ist das auch noch zementiert. Gelegentliche Sperrungen für Straßenfeste oder Fahrradrennen oder Fahrraddemos bringen die Autofixierten erst recht zur Weißglut.

Vielleicht könnte eine paradoxe Intervention - ein innerstädtischer „Aktionstag fahrradfrei“ - das Verständnis für die Bedeutung des Fahrradverkehrs grundsätzlich erhöhen. Der Aktionstag wäre an einem Werktag und würde so aussehen: Wer normalerweise mit dem Fahrrad fährt, nimmt an dem Tag sein Auto (viele haben ja eines!) oder leiht sich eines und fährt statt mit dem Fahrrad mit dem Auto zur Arbeit, zur Kita, zum Einkaufen etc. Das Ergebnis ist absehbar – es würde ein riesiger Stau und Chaos entstehen - der Verkehr würde zusammenbrechen. In der ganzen Stadt würde es schallen:  Bitte, bitte – fahrt wieder Fahrrad! 

Erschienen in der Frankfurter Rundschau vom 17.07.2026

zurück