Wirtschaftsministerin Reiche zementiert systematisch den Rückschritt Deutschlands

Viele denken, dass die Energiewende einfach nur im Ausbau der erneuerbaren Energien besteht. Das ist ein gefährlicher Kurzschluss. Die Energiewende muss als Gesamtsystem begriffen und vorangetrieben werden. Idealerweise würde der Altbestand an schlecht isolierten Wohnungen zügig saniert und ausgediente Öl- und Gasheizungen würden durch die hocheffizienten Wärmepumpen ersetzt. Bei den Neuzulassungen von Autos würden die im Vergleich zu den Verbrennern hocheffizienten Elektroautos dominieren. Tempolimits (130/80/30 km/h) würden den Energieverbrauch reduzieren und „nebenbei“ die Unfallzahlen und Lärm reduzieren. Bei der Stromproduktion der Erneuerbaren Energien würden kleinere Schwankungen durch Nachfragesteuerung mit Smartmetern und durch bidirektional (ent-)ladbare Autobatterien aufgefangen. Für ein oder mehrere Tage mit wenig Produktion von erneuerbaren Energien würden ausreichend Langzeit-Stromspeicher (zum Beispiel Großbatterien) und Wasserstoffkraftwerke gebaut - wobei der Wasserstoff mit überschüssigem (Solar-)Strom produziert wird.  Die Stromnetze, vor allem die die Stromleitungen von Nord nach Süd, würden zügig ausgebaut. Das ist jeweils technisch möglich und ökonomisch sinnvoll. 

Die Realität sieht aber ganz anders aus: Die Sanierungsquote bei Häusern ist unter ein Prozent gefallen. Der Einbau von effizienten Wärmepumpen wird durch das geplante chaotische Gebäude-„Modernisierungs“-Gesetz verlangsamt. Batterieelektrische Autos hatten Ende 2025 einen Anteil von nur vier Prozent am Gesamtbestand. Durch die Verschiebung des Verbrennerverbots werden die Verbrenner-Autos auf lange Zeit den Markt dominieren. Forderungen nach energiesparenden Tempolimits werden abgeschmettert. Der Anteil installierter Smartmeter liegt bei lächerlichen sechs Prozent.

Den Ausbau der erneuerbaren Energien und der Großbatterien will Wirtschaftsministerin Reiche bremsen und gibt stattdessen Voll-Gas durch den geplanten Zubau von Gaskraftwerken - ohne spätere Umbaumöglichkeit in Wasserstoffkraftwerke. Der Ausbau der Stromnetze ist deutlich verzögert – schon weil der bayrische Ministerpräsident Söder über mehrere Jahre auf superteuren Erdleitungen bestand und damit die Ausbauplanungen torpedierte. Heißt zusammengefasst: statt einer Systemoptimierung der Energiewende gibt es systematische Blockaden. 

Erschienen in der Frankfurter Rundschau vom 19.06.2026

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