Warum die Atomenergie keine Zukunft hat

Das Jahr 1986 war das Jahr der Hochtechnologie-Katastrophen - mit der Explosion der amerikanischen Challenger-Raketedem GAU in Tschernobyl und der massiven Rhein-Vergiftung durch den Brand des Sandoz-Pestizidlagers in Basel. Zusammen mit dem großflächigen Waldsterben führten diese Katastrophen zu einem Wendepunkt im Umweltbewusstsein der Bevölkerung und dem Beginn einer ernsthaften Umweltpolitik. Der Super-GAU in Tschernobyl hatte darüber hinaus zwei große langfristige Folgen: strengere Sicherheitsauflagen für AKW und den Einstieg in die Energiewende.

Das Öko-Institut hatte schon 1980 die Strategiestudie „Die Energiewende – Wachstum und Wohlstand ohne Erdöl und Uran“ vorgelegt. Nach Tschernobyl entstanden nach einem Aufruf des Instituts bundesweit 400 Energiewende-Komitees und waren jahrzehntelang aktiv. Sie organisierten Energiesparen, bauten Solar- und Windkraft-Anlagen, kämpften für die Rekommunalisierung von Stadtwerken und gingen in die Politik. Im Jahr 2000 entstand so unter der rot-grünen Bundesregierung das EEG-Gesetz zur Förderung der erneuerbaren Energien.

Die nach dem GAU in Tschernobyl und dem in Fukushima verschärften Sicherheitsauflagen führten zu massiven Kostensteigerungen bei AKWs. Die propagierte Renaissance der Atomenergie ist schlicht Unsinn. Die Atomenergie hat wegen der Kosten-Revolution bei den Erneuerbaren Energien keine Chance mehr. Im Jahr 2024 stieg die weltweite Kapazität der Atomenergie um nur 4 Gigawatt, die der Erneuerbaren Energien mit rund 680 Gigawatt dagegen um den Faktor 170!

Im Kriegsfall wird zudem das militärische Risiko von AKW besonders deutlich. Im Ukraine-Krieg wurde bereits die Schutzhülle um den Tschernobyl-Reaktor durch Drohnenbeschuss beschädigt. Saporischschja - Europas größter AKW-Komplex – wurde von russischem Militär beschossen und besetzt. Nahe dem iranischen AKW Buschehr schlugen israelische und amerikanische Raketen ein. Die fünf Millionen Photovoltaikanlagen in Deutschland sind dagegen sicher kein militärisches Ziel - die 16 deutschen Atommüll-Zwischenlager aber schon. In Deutschland werden keine AKW mehr gebaut. Die gegenteiligen Forderungen von Reiche, Spahn und Söder dienen einem ganz anderen Ziel: den Ausbau der erneuerbaren Energien zu verlangsamen und damit – Überraschung! – Öl und Gas zu unterstützen.

Erschienen in der Frankfurter Rundschau vom 26.04.2026

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