Sieben auf einen Streich
Die Benzinpreise steigen und werden auf lange Zeit hochbleiben. Durch die blockierte Meerenge von Hormus laufen 20 Prozent der weltweiten Öl- und Gastransporte. Darüber hinaus sind schon jetzt mehrere wichtige Gas- und Ölfelder und deren Anlagen zerstört worden. Die konservative Internationale Energieagentur (IEA) warnt vor dem heftigsten Energieschock aller Zeiten und fordert als wesentlichste Sofortmaßnahme die Verringerung der Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen.
Die bisherige Reaktion der Bundesregierung darauf ist gleichermaßen naiv wie kurzsichtig. Dass die Benzinpreise nur noch einmal am Tag verändert werden dürfen, verhindert allenfalls kurzfristige Schwankungen, aber nicht die grundsätzlich hohen Benzinpreise. Weiter kursierende Vorschläge wie Obergrenzen für Benzinpreise, Steuerbefreiung oder gar Subventionen sind finanziell abenteuerlich und würden den Benzinverbrauch gar nicht senken.
Die einfachste, schnellste und kostengünstigste Maßnahme wäre stattdessen die Einführung von Tempolimits auf Autobahnen (120 km/h), Landstraßen (80 km/h) und innerorts (30 km/h). Mit gleich sieben unschlagbaren Vorteilen auf einen Streich: Senkung des Benzinverbrauchs um drei Milliarden Liter/Jahr, Senkung der Benzinkosten, sofortiger Beginn der wichtigsten und großmöglichsten Klimaschutzmaßnahme mit einer Reduktion von jährlich 7,3 Millionen Tonnen CO2 (aggregiert bis zum Zieljahr 2030 rund 35 Millionen Tonnen CO2). Zehntausende Verkehrsunfälle und mehrere Hundert Unfalltote und Tausende Schwerverletzte weniger und innerorts die Reduktion von krankmachendem Lärm und Stickoxiden. Darüber wären die Tempolimits ein Paradebeispiel für Bürokratieabbau: mehrere zehntausend Schilder und Einzelvorgaben würden verschwinden – ausreichend wäre ein kurzer Gesetzestext und Schilder an den 367 Grenzübergängen.
Der Widerstand von CDU/CSU gegen Tempolimits wird immer widersinniger. Die breite Bevölkerung (64 Prozent) und sogar die Mehrheit der ADAC-Mitglieder (55 Prozent) wollen ein Tempolimit auf Autobahnen (mit 130 km/h). Und 83 Prozent der Autofahrer fahren laut Umfrage nicht schneller als 130 km/h. Einmal eingeführt wird ein Tempolimit dieselbe Historie wie das Rauchverbot in öffentlichen Räumen haben – wenige Zeit später schüttelt man nur noch den Kopf über die frühere Raserei.
Erschienen in der Frankfurter Rundschau vom 30.03.2026
