Sonnenmacht China

„Wer eine Reise tut, kann was erzählen“, soll Goethe gesagt haben. Nun kam Bundeskanzler Friedrich Merz aus China zurück - über die chinesische Energie- und Wirtschaftspolitik erzählte er aber nichts. Das Land setzt auf Erneuerbare und transformiert energieintensive Industrien. Bis 2024 hatte China eine Windkraftkapazität von 520 GW installiert – 40 Prozent der weltweiten Kapazität. Sein Marktanteil bei neuen Windkraftanlagen liegt bei 72 Prozent. Im Jahr 2025 installierte China Solaranlagen mit einer Kapazität von 365 GW – rund 60 Prozent des Weltmarkts. Über 80 Prozent der Produktion von Photovoltaikanlagen und Vorfertigungen kommen aus China. 2024 wurden 17 Millionen Elektroautos zugelassen. Der Anteil chinesischer Elektroautos am Weltmarkt lag bei 60 Prozent.

Der Kampf zwischen Fossil-Staaten und Staaten, die auf Erneuerbare setzen, wird wirtschaftspolitisch entschieden. Die Erneuerbaren sind billiger und die Kosten sinken weiter. Öl und Gas sind teurer und die Kosten steigen, wenn die Klimaschäden über CO2-Steuern oder den Emissionshandel eingepreist werden. Zweitens sind in den zentralen energieabhängigen Anwendungen die strombasierten Produkte ebenfalls kostengünstiger als die fossil basierten Alternativen – im Verkehrsbereich die Elektroautos und bei den Gebäuden die Wärmepumpen. Drittens setzen die Märkte zunehmend auf erneuerbare Energien. China, Indien und die Europäische Union haben 3,3 Milliarden Einwohner:innen, die fossilorientierten Länder USA, Russland und Saudi-Arabien nur 0,5 Milliarden.

Die Bundesregierung schlägt sich auf die Seite der Verlierer. Das Verbot neuer Verbrennerautos ab 2035 soll gecancelt werden. Mit dem reformierten oder besser deformierten Gebäudeenergiegesetz alias Gebäudemodernisierungsgesetz soll der Verkauf von Gas und Öl für weitere Jahrzehnte abgesichert werden. So wird aus dem vor drei Jahren herbeifabulierten „Heizungshammer“ ein „Heizungsknebel“. Irregeführte Käufer neuer Gas- oder Ölheizungen werden in Geiselhaft überproportional steigender Preise genommen. Nun will Wirtschaftsministerin Reiche mit der Streichung der Einspeisevergütung auch noch das Erfolgsmodell der Photovoltaik-Dachanlagen torpedieren. Ein Armutszeugnis.

Erschienen in der Frankfurter Rundschau vom 27.02.2026

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