Viel Geröhre für nichts

Ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland leidet unter gesundheitsgefährdenden Lärm. Hauptquelle ist der Autoverkehr. Im Hügel- und Bergland mit vielen engen kurvigen Straßen röhren wochenends auch noch Motorräder und beschallen gleich Dutzende Quadratkilometer, gerne auch noch mit Soundverstärker. Zahlreiche Proteste und Petitionen von besonders betroffenen Gemeinden hatten bislang keinen Erfolg. Eine einfache Maßnahme wäre das Verbot klassischer Motorräder und der Umstieg auf Elektromotorräder. Vor Jahren hatte ich in einer Glosse vorgeschlagen, dass der Umstieg auf Elektro-Motorräder durch das Angebot von Sound-Software erleichtert wird, die das fehlende Motorgeräusch und das Turbogasgeben für die Fahrer auf Ohrhörer überträgt.

Aber auch diese Glosse wurde durch die testosterondominierte Realität überholt. So bietet Porsche für den Elektro-Porsche Taycan optional den Einbau des „Porsche Electric Sport Sound“-Pakets an. Gerade bei höheren Geschwindigkeiten und Beschleunigungen gibt es damit „klangliche Fahrerlebnisse“ vom Feinsten. Auch für andere Elektro-Autos werden auf dem Markt Nachrüst-Lärmpakete angeboten, die den Autolärm großvolumiger Motoren und sogar Fehlzündungen simulieren – nicht nur im Fahrzeug, sondern auch nach außen und das alles bis 130 Dezibel. 

Neben den im Vergleich zu Verbrennern geringeren CO2-Emissionen ist der zweite große Vorteil von Elektroautos das bei geringen Geschwindigkeiten fast lautlose Fahren. Lärmpakete, die bei Kickstart, höheren Geschwindigkeiten und Beschleunigungen die staunende Außenlärm beeindrucken sollen, müssen deshalb ersatzlos verboten werden.

Die Lärmpakete dürfen nicht mit dem akustischen Warnsystem AVAS verwechselt werden, das auf Initiative des europäischen Blindenverbands für Elektroautos gesetzlich festgelegt wurde. Das Warnsystem muss bis 20 Stundenkilometer einen künstlichen Sound mit mindestens 56 Dezibel erzeugen (vergleichbar mit dem Geräuschpegel eines Kühlschranks). Bei höheren Geschwindigkeiten warnen dagegen schon die Rollgeräusche der Elektroautos.

Bis zu einem Verbot der klassischen Motorräder sind realitätsnahe Lärmprüfungen bei der Zulassung und im Straßenverkehr notwendig, sowie ein konsequentes Vorgehen gegen notorische Lärmsünder (Führerscheinentzug, Enteignung). Biker: hört die Signale!

Erschienen in der Frankfurter Rundschau vom 30.01.2026

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