Nukleare Sicherheit in Krisengebieten

Im wahrsten Sinne des Wortes hat zum Glück bis dato keine der militärischen Eskalationen der Vergangenheit oder der Gegenwart zu einem kerntechnischen Unfall geführt. Angesichts der aktuellen Zuspitzung militärischer Konflikte in Regionen mit nuklearer Infrastruktur stellt sich aber dennoch immer offensichtlicher die Frage nach den tatsächlichen Risiken einer hierdurch ausgelösten atomaren Katastrophe.

Denn die Nutzung von Kernenergie bedarf einer umfangreichen institutionellen und materiellen Infrastruktur auf Basis stabiler innerstaatlicher und zwischenstaatlicher Verhältnisse, um kerntechnische Sicherheit zu gewährleisten. Dies betrifft zunächst den sicheren Betrieb von Reaktoren und deren technische Infrastruktur, darüber hinaus aber auch die gesamte Ver- und Entsorgungskette und mit besonderer Relevanz die Zwischenlager und Transporte hochradioaktiver Abfälle. Zwischenstaatliche oder innerstaatliche Konflikte können dem gegenüber gewollt oder durch Unfall zu einer atomaren Katastrophe führen. Dies betrifft nicht nur die strategische Relevanz der Energieversorgung in militärischen Konflikten, sondern auch erhöhte Unfallrisiken und Gefährdungen durch Kollateralschäden sowie eine Erosion der Sicherheitskultur und der institutionellen Kontrolle in Krisenregionen mit nuklearer Infrastruktur.

Trotz realer Risiken mit weitreichenden Folgen wird dem Zusammengang zwischen inner- und zwischenstaatlichen Konflikten und nuklearer Sicherheit derzeit zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Durch den Ukraine-Konflikt hat dieses Thema einen geografisch besonders nahen aktuellen Bezug und es ist zunehmend wichtig, die Öffentlichkeit und Politik über diese Problematik in einer wissenschaftlichen, aber gleichzeitig verständlichen Art und Weise zu informieren.

In diesem von der Stiftung Zukunftserbe geförderten Projekt sollen systematisch anhand aktueller und historischer Beispiele die verschiedenen Faktoren und Aspekte einer gezielten oder zufälligen Beeinträchtigung der nuklearen Sicherheit durch bewaffnete Konflikte identifiziert und die möglichen Folgen in Krisenregionen und angrenzenden Gebieten untersucht werden. Der Hauptfokus der Arbeit wird auf die Entwicklungen in der Ukraine gelegt, einem gespalteten, sich in einem Bürgerkrieg befindenden Staat zwischen Europäischer Union und Russland, indem aktuell 15 Leistungsreaktoren betrieben werden. Dabei sollen gezielte oder zufällige Beeinträchtigungen der nuklearen Sicherheit aufgezeigt und die reale Ernsthaftigkeit möglicher nuklearer Gefährdung auch innerhalb von Europa deutlich gemacht werden.

Laufzeit: 1.1.2016 – 30.06.2016

Projektleitung

Veronika Ustohalova
Öko-Institut e.V.
Rheinstr. 95
64295 Darmstadt

v.ustohalova(at)oeko.de