NeNuG – Netzwerk Nukleares Gedächtnis

Nukleare Aufarbeitung des deutschen Atomkonflikts

Problemstellung

Der historische Konflikt um die Atomkraft in Deutschland hat sich über Jahrzehnte am Widerstand gegen verschiedene Nuklearanlagen und gegen Atommülltransporte manifestiert. Die Polarisierung zwischen Staat und der Nuklearindustrie auf der einen und  der Anti-Atom-Bewegung auf der anderen Seite wurde zuletzt wieder bei den staatlichen Dialogbemühungen zum Neustart der Standortauswahl für ein Endlager sichtbar, die von den meisten Anti-Atom-Initiativen abgelehnt wurden.

Eine wissenschaftliche Bearbeitung dieses Konflikts hat bisher nur punktuell stattgefunden. Eine fundierte (historische und sozialwissenschaftliche) Analyse der gesellschaftlichen Entwicklungen und Kontroversen erfolgte dabei nicht. Verschiedene Akteure sehen darin eine wichtige Ursache dafür, dass die gesellschaftliche Polarisierung nach wie vor stark ausgeprägt ist. Der Aspekt, dass verlorenes Vertrauen bei atompolitischen Fragen durch  eine systematische Reflexion der Endlager-Geschichte und Aktivitäten zur Aufarbeitung der Vergangenheit erst wiederhergestellt werden muss, wird vielfach angesprochen. Bei der Tagung „Alles falsch gemacht“ hat sich etwa die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg Anfang 2016 diesem Thema gewidmet. Auch das Nationale Begleitgremium (NBG), das das deutsche Standortauswahlverfahren für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle begleitet, fordert, sich mit den historisch gewachsenen Ursachen des Misstrauens der Bevölkerung gegenüber den staatlichen Institutionen auseinander zu setzen.

Im Hinblick auf die bevorstehenden Herausforderungen des Standortauswahlverfahrens sowie auch vor dem Hintergrund, dass viele Zeitzeugen inzwischen ein fortgeschrittenes Alter erreicht haben, gibt es sowohl seitens einiger Initiativen als auch in wissenschaftlichen Institutionen ein großes Interesse, Möglichkeiten für eine vertiefte Befassung mit dem deutschen Atomkonflikt und seiner Aufarbeitung auszuloten. Der Blick zurück ermöglicht auch Einsichten im Hinblick auf die Konflikte, die im Umfeld der erneuerbaren Energien in den letzten Jahren entstanden sind.

Zielsetzung

Mit diesem Projekt soll ein Beitrag zur Aufarbeitung historischer Zusammenhänge des Atomenergiekonflikts in Deutschland geleistet werden.

Im Einzelnen werden die Ziele verfolgt, Wissensbestände und unterschiedliche Perspektiven diverser Akteure zum Atomkonflikt aufzubereiten und nutzbar zu machen sowie wesentliche Konfliktlinien, ihre Ursachen, Zusammenhänge und Wirkungen aufzuzeigen, zu analysieren und in ihren Auswirkungen auf aktuelle Entwicklungen zu bewerten.

Laufzeit: April 2018 – März 2020

Projektleitung:

Beate Kallenbach-Herbert
Bereichsleiterin Nukleartechnik & Anlagensicherheit
Öko-Institut e.V.

b.kallenbach(at)oeko.de

 

Quelle Foto (Ausschnitt):Wikimedia Commons

Michael Mies, Teil der Menschenkette zwischen Stuttgart und AKW Neckarwestheim anlässlich des Protestes gegen Atomkraft am 12.03.2011.